Anna Till

Seit über zwei Jahrzehnten beeinflusst Xavier Le Roy mit seinen Choreografien die europäische Tanzszene und regt zur intensiven Beschäftigung mit neuen Darstellungs- und Aufführungsformaten an. Mit seiner Soloarbeit »Product of Circumstances« radikalisierte er im Jahr 1999 das vorherrschende Verständnis von Tanz und Choreografie: Mit Diaprojektor, Rednerpult und teils praktischen tänzerischen Beispielen erzählt er in diesem Stück seinen Weg vom promovierten Molekularbiologen zum Choreografen und Tänzer. Ausgehend von Xavier Le Roys Soloarbeiten wie »Product of Circumstances« (1999) und »Product of Other Circumstances« (2009) wird das Format Lecture Performance in praktischen performativen Übungen und anhand von Video- und Textmaterial näher ergründet. Bereits in den 1960er Jahren praktizierten KünstlerInnen wie Yvonne Rainer, Robert Morris oder Joseph Beuys diese hybride Kunstpraxis zwischen Vortrag und Performance sowie Kunst und Wissenschaft. Doch was macht einen Vortrag eigentlich zur Performance? Wie verhält sich die Lecture Performance zur bildenden Kunst, Tanz, Theater und Wissenschaft? In diesem Workshop wollen die Choreografin Anna Till und die Tanzwissenschaftlerin Cindy Denner das Verhältnis von künstlerischer Praxis und wissenschaftlicher Forschung im Dialog mit den Studierenden der HFBK und Lena Ziese näher erkunden. Hierbei wird zu hinterfragen sein, welche Potenziale ein Arbeiten mit, über und zwischen verschiedenen Disziplinen bergen kann.