Anna Till

Die Veranstaltung widmet sich in verschiedenen Formaten den drei Themen LERNEN – LEBEN – TANZEN und lädt ein zu Austausch und Partizipation, zu Wissensvermittlung und Erfahrungsgewinn, zu künstlerischer Auseinandersetzung und Kenntnistransfer.

* Führungen durch das Haus zeigen die baulichen Spuren vergangener Zeiträume auf.
* Vorträge und Podiumsgespräche widmen sich der differenzierten Auseinandersetzung mit der Person Mary Wigman, besonders ihrem Wirken und ihrer Haltung in der Dresdner Zeit, die vom aufsteigenden Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg geprägt war, wie auch den Konzepten von Schule und der Weiterentwicklung durch Schüler*innen. International renommierte Tanzwissenschaftler*innen bereichern den Diskurs.
* Ein Salon des Wissensbietet generationsübergreifenden Transfer verschiedenster Aspekte und Perspektiven von Lernprinzipien, pädagogischen Modellen und Vermittlungsformaten.
* Workshops richten sich an fachspezifische Teilnehmer*innen, wie sie auch Menschen aller Alter und Vorbildungen Teilhabe ermöglichen.
* Künstlerische Interventionenreflektieren die Auseinandersetzungen im Hier und Heute und bieten lokalen Künstler*innen eine Präsentationsplattform.
* In Kooperation mit dem TanzNetzDresdenwird eine POP UP Performance realisiert.

PROGRAMM / 03. Juli 2021
17 Uhr // BEGRÜßUNG Katja Erfurth, Grußworte Zweite Bürgermeisterin Annekatrin Klepsch
17:30 Uhr // VORTRAG Prof. Dr. Patrick Primavesi: Tanzgemeinschaft oder Gemeinschaftstanz? Rudolf von Laban, Mary Wigman und die (Ab-)Gründe moderner Körperpolitik
18:15 Uhr // "Kunst als entpolitisierter Flucht-Raum (?)" PODIUMSGESPRÄCH mit Prof. Dr. Patrick Primavesi, Julia Prager, Lars Koch, Moderation: Anna Till
20 Uhr // KÜNSTLERISCHE INTERVENTION Fragment "Kassandra I Zunge: reißen"
mit Katja Erfurth, AuditivVokal Dresden, Musikalische Leitung: Olaf Katzer, Komposition: Helmut Oehring
20:30 Uhr // FÜHRUNG mit Holm Pinkert (Architekt)

PROGRAMM / 04. Juli 2021
10 Uhr FÜHRUNG mit Katja Erfurth
11 Uhr Tanz- und Bewegungsworkshop für jedermensch mit Helena Fernandino
13 I 13:30 I 14 Uhr Bodypercussion für jedermensch mit Sascha Mock
15 I 15:20 I 16 I 16:20 I 17 I 17:20 Uhr PARCOURS um die VILLA WIGMAN
mit künstlerischen Interventionen von: Julia Amme, Katja Erfurth, Cindy Hammer, Florian Mayer, Jule Oeft, Nora Otte, Olimpia Scardi, Magdalena Weniger, Charles Washington u.a.
19 I 19:30 Uhr SALON DES WISSENS mit 10 Expert*innen zum Thema "Lernen"
Carmen Amme, Helge-Björn Meyer, Hanna Reske, Katharine Sehnert, Hanne Wandtke u.a.
1:1 Tischgespräche

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Es ist Sommer 1920. Seit Wochen und Monaten ist Mary Wigman mehr oder weniger in Dresden durch die Wirren des Kapp-Putsches festgehalten, feiert tänzerische Erfolge, kann sich vor Anfragen junger Mädchen für Tanzunterricht kaum retten, hat die Aussicht auf eine eigene Tanzgruppe am Dresdner Opernhaus und gibt doch beinahe alles verdiente Geld für die Logis im Palast-Hotel-Weber am Postplatz aus. Da platzt ihre Freundin Berthe Trümpy mit der Überraschung heraus, sie hätte sich einmal um die Wohnungsfrage gekümmert und Mary sei nun Hausbesitzerin der Villa an der Schillerstraße 17, später Bautzner Str. 107. Nicht ahnend, dass dieser Ort für Mary Wigman in den kommenden mehr als zwei Jahrzehnten der Lebens- und Arbeitsmittelpunkt werden sollte.Von Plänen, dort eine Schule zu installieren, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Rede.
Mary Wigman schaffte in der Zeit von 1920-42 einen Ort, der Lehren und Lernen, Tanzen und Choreografieren, Leben und Arbeiten im Miteinander vereinte.
Als die Villa wegen der zunehmenden Schüler*innenzahl auseinanderzuplatzen drohte, erweiterte sie die Räumlichkeiten 1927 mit einem Anbau. Durch inspirierte und ruhmvolle, wie auch krisengeschüttelte Zeiten hindurch, war dieses Haus immer ein Ort des Aus- tausches, der Entwicklung und Entfaltung in Perspektiven auf die Kunst und das Leben.

Einhundert Jahre später möchte der Verein Villa Wigman für TANZ, der seit sechs Monaten diesen Ort betreibt, die gedanklichen und verwirklichten Visionen des Lernens-Lebens-Tanzens zum Anlass nehmen, um vergangene Spuren sichtbar zu machen, heutige Positionen und Perspektiven zu befragen und in künstlerischen Auseinandersetzungen zu reflektieren sowie Utopien für die Zukunft zu entwerfen.